RÜCKBLICK RENATE HARTWIG

Anfang der 90er Jahre habe ich ein Thema auf die Tagesordnung von Politik und Gesellschaft gesetzt, das bis dahin unter „Fachleuten“ diskutiert worden war: Scientology.

Ich holte es aus der Nische der Experten und konfrontierte die Leser meiner sechs Sachbücher (drei davon wurden Bestseller) sowie die Zuhörer meiner Vorträge zu diesem Themenkreis.

Um Missverständnisse auszuräumen: Ich behandelte das Thema gesellschaftspolitisch und ausschließlich als Autorin und freie Publizistin. Ich wollte keine Planstelle, keine Steuergelder und ich wollte nie Sektenbeauftragte sein und auch nie eine werden.

Die Frage, weshalb es zum Thema Scientology keine Rechtssicherheit gibt, beschäftigte mich über Jahre. Erstaunt bin ich heute noch, mit welchen zwiespältigen Informationen ich mich auseinandersetzen musste.


Aufgrund meiner Publikationen und Vorträge war ich ständig massiven Attacken von Seiten Scientology ausgesetzt. Trotzdem trieb mich eine einzige Frage von Buch zu Buch: Weshalb gelingt es nicht das Thema in der Sache zu diskutieren und weshalb fehlt für uns Bürger die notwendige Rechtssicherheit?

Meine Fragen an Dutzende von Politikern verhallten. Scientology wurde wellenartig zum Wahlkampfthema der einzelnen Parteien und Politiker, das die Medien prächtig ausschlachteten. Nach jeder Wahl verebbte das Interesse der kleinen wie der großen Politik an Scientology. So habe ich mehr als elf Jahre versucht, Scientology gesellschaftspolitisch nach den Statuten eines Rechtsstaates klären zu lassen.

Gelungen ist es nicht.

Hier liegt begründet, weshalb das Thema SC unweigerlich zur Polarisierung führte. Das kann nur nachvollziehen, wer sich in diesem Dschungel zwischen Freund und Feind, zwischen Information, Desinformation sowie zwischen Interessenskartellen bewegt hat.

Von staatlicher und kirchlicher Seite entstanden Broschüren und Planstellen, Tagungen und eine endlose Fülle von Worthülsen.

Geklärt wurde dadurch – wie die neuesten Schlagzeilen zeigen - bis heute nichts!

Für verschiedene Interessengruppen wurde das Thema SC nach Belieben als Steigbügel benutzt. Im Tanz um das goldene Kalb „Steuertopf“ reihten sich immer mehr Personen als „Sektenexperten“ ein, je mehr das Thema öffentlich diskutiert wurde!

In meinen Büchern habe ich kontinuierlich darauf hingewiesen, Aufklärung nicht nur als Wort und berufliche Absicherung zu sehen. Bei näherer Betrachtung, wie mit dem Thema Sekten, Weltanschauungs– und Psychogruppen umgegangen wird, kamen mir immer mehr Zweifel an der Arbeit der Sektenbeauftragten.

Das wurde mir natürlich übel genommen. „Nestbeschmutzer“ war einer der harmlosen Vorwürfe an mich. Versuche, mich über Verleumdungen zu schädigen, gehören zu meinem Alltag. Der Überbringer der schlechten Nachricht wurde früher geköpft. Heute wird dieses „Köpfen“ über Rufmord zu vollziehen versucht!

Und trotzdem bleibe ich dabei: Die Unsicherheiten in der Bevölkerung entstanden und entstehen hauptsächlich dadurch, wie egomanisch geprägte Beauftragte mit diesem Thema seit Jahrzehnten umgehen.

Im Jahr 2000 wurde mir immer klarer, es geht dem überwiegenden Expertenkreis nicht um die Sache, um eine von mir geforderte gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gruppierungen, sondern um Machtspiele der einzelnen Beauftragten untereinander und vor allem um deren Besitzstandswahrung.

Mein Ziel war aber von Anfang an Klärung und Rechtssicherheit im Thema Scientology.

Durch den Erfolg meiner Publikationen und Vorträge war ich nicht nur den Angriffen der Scientologen ausgesetzt, sondern auch den Neidattacken der Sektengegnerszene und deren Handlanger. Kirchliche Sektenbeauftragte vergaloppierten sich in ihrem Zorn auf meine Veröffentlichungen so weit, dass sie Aufklärung verhindern wollten. Über Diffamierungen versuchten sie meinen Jugendroman “Gefährliche Neugier“ an einer hessischen Schule zu stoppen und griffen einen Minister, der mein Engagement unterstützte, massiv über einen Zeitungsartikel an. Vom Büro des Ministers wurde mir die Unsinnigkeit der Angriffe bestätigt. Schulleiter, Religionslehrer, Eltern und Schüler entsetzten sich über das Vorgehen der kirchlichen Sektenbeauftragten und solidarisierten sich mit mir. Einige Eltern informierten mich, dass sie den Versuch der Sektenbeauftragten Aufklärung zu verhindern, so entrüstet hat, und sie deshalb aus der evangelischen Kirche ausgetreten sind.

Meine erfolgreiche Aktion EULE (c) (Engagierte Unternehmer liefern Einblicke) in der es mir gelungen ist, mit Hilfe von Unternehmen und Banken den Jugendroman kostenlos in Klassensätzen an Schulen zu geben, wurde von Lehrern, Politikern, Eltern, Kultusministerien und vor allem von den Jugendlichen begeistert aufgenommen und gelobt – von kirchlichen Sektenbeauftragten massiv torpediert und zu verhindern versucht!!!

Aussagen zum Jugendroman "Gefährliche Neugier"

Das waren Beweggründe, weshalb ich immer mehr zur Fragenden wurde und einzelne Personen, Vorgänge sowie Vernetzungen und die staatlich alimentierten Sektengegner hinterfragte.

Meine Recherchen zum Thema Scientology und deren Kritiker war eine prägende Lebenserfahrung. Die Führungselite der Sektengegnerszene entlarvte sich mir gegenüber bereits Ende der 90er Jahre, indem sie genau das Repertoire gegenüber ihren Kritikern einsetzt, das sie selbst den Sekten vorwirft. Bis heute zu feige, sich einem offenen Gespräch zu stellen, wurde und wird mit versteckten Verleumdungen agiert und werden Gerüchte gestreut, wird versucht, ihre Kritiker mit allen Mitteln mundtot zu machen.

Die Masken der „Gutmenschen“ bröckeln damals wie heute, wenn es um den Umgang mit Gegnern geht. Da wird gelogen, dass sich die Balken biegen, gehetzt, verleumdet und intrigiert.

Christlichkeit habe ich am allerwenigsten in dieser Sektengegnerszene erfahren.

Um Aufklärung bemüht, begegnete ich hautnah ideologischem Fanatismus, Rufmord von beiden Seiten und dem Missbrauch von Meinungsfreiheit. Der so genannten "Aufklärungsszene" geht es nach meiner Ansicht nicht um Klärung, sondern überwiegend um Existenzsicherung auf Kosten der Allgemeinheit. Wir Steuern zahlenden Bürger sind dabei nicht nur die Ahnungslosen, sondern durch das Weglassen von Fakten auch die manipulierten Dummen.

Sektenaufklärer bringen immer wieder dasselbe, sehr begrenzte Repertoire, ohne zu einer Lösung zu kommen, weil eine Lösung nicht mehr im Repertoire in dieser Szene enthalten ist.

Meine kritische Grundeinstellung gegenüber Scientology hat sich nicht geändert.

Nur, das Thema Scientology sah ich nicht als endlose Lebensaufgabe. Die ständigen Wiederholungen der Gefahr, ohne tatsächlicher Klärung und ohne Rechtssicherheit, fingen an mich zu nerven. 2001 entschied ich, einen Schlussstrich zu ziehen.

Selbstkritisch hinterfragte ich, wie Aufklärung zu einer Farce werden konnte. Wellenartig stürzten sich schon damals die Medien im Wettstreit um die Schlagzeilen auf das Thema und oft wurde die journalistische Sorgfaltspflicht der Sensationsgier geopfert.

Immer um Offenheit bemüht und um Gerüchten keine Nahrung zu geben, wollte ich das Thema nicht beenden, ohne aufzeigen wo die Gefahren für einen Klärungsprozess lauern, aufzuzeigen wo durch einen, in sich geschlossenen Kreis von Sektenexperten, in dem Machtkartelle und eisernes Schweigen über Missstände herrschen, Gefahren für einen Rechtsstaat lauern.


Für mich war und ist deshalb tatsächliche „Aufklärung“ gescheitert. Deshalb entstand mein Buch:

 

 

„Die Schattenspieler“!
Direct Verlag "Die Schattenspieler"  - Leseprobe

 

Ich wollte damit eine offene kontroverse Diskussion in Gang bringen, wie sie in einem Rechtsstaat möglich sein muss. Das wurde mir von der Zunft der „Sektenexperten“ übel genommen.

Leider fehlt diesen Sektengegnern bis heute die Größe, sich einer fachlichen, sowie sachlichen Auseinandersetzung zu stellen. Viele Diskussionen wären überflüssig. Es gebe Rechtssicherheit und weniger Rufmord verbunden mit dem Wort Scientology.

Nach Erscheinen meiner ersten beiden Bestseller 1994 war ich zeitgleich beiden Lagern (Scientology und deren Gegnern) ein Dorn im Auge und das Verleumdungskarussell drehte sich. Damals tat ich es als dumme, aber typische Neidreaktion der Szene ab.

Scientology verteilte die Aussagen von Sektenbeauftragten gegen mich auf ihren Flugblättern. Sektengegner benutzten und benutzen bis heute die schwarze Propaganda der Scientologen gegen mich. Getarnt als Meinungsäußerungen wurde ich über Jahre mit Diffamierungskampagnen vom Sektengegnerkartell überzogen.

Eine weitere Steigerung gab es nach Erscheinen meines Buches „Die Schattenspieler“! Die Zunft wollte mit dem Inhalt des Buches nicht konfrontiert werden. Und was bleibt dann, nachdem das Buch nicht verhindert werden konnte?

Eine Diffamierungskampagne wurde gestartet. Nein, nicht offen, sondern so, wie Rufmord funktioniert. Hinter vorgehaltener Hand, über Dritte im Internet lanciert, indem jeder den anderen zitiert und durch gezielte Desinformation, indem Fakten einfach weggelassen werden. Damit soll bis heute die Diskussion um eine gescheiterte Aufklärung und die daraus entstandenen Folgen verhindert werden.

Es war einfach fatal: Die Zunft der Sektenexperten agierte gegen mich, wie 1994 Scientology auf mein Buch „Ich klage an“ und „ Die Zeitbombe in der Wirtschaft“!

Als Verleumdungskampagnen meine Existenz bedrohten, musste ich zur Schadensbegrenzung den zivil- und strafrechtlichen Klageweg beschreiten, auf dem ich mich, nach Lage der Dinge, noch eine ganze Weile aufhalten muss.

Es war und ist eine teilweise völlig absurde Situation. Durch Verleumdungskampagnen bin ich gezwungen, juristisch gegen Personen vorzugehen, die sich bis heute medienwirksam positionieren, um die Vorgehensweisen von Scientology gegen Kritiker anzuprangern.

Dieselben Personen wenden genau die Mechanismen an, um ihre eigenen Kritiker mundtot zu machen, die sie als „Sektenexperten“ bei Scientology anprangern.

Dadurch entstand für mich immer mehr das Bild einer Symbiose zwischen Scientology und deren Gegnern.

Folgende Fragen sind seit Jahren unbeantwortet:

- Wer schaut von wem ab?

- Ist es zulässig, wenn unter dem Deckmantel von „Aufklärung“  Existenzen vernichtet werden?

- Werden bewusst und gewollt Persönlichkeitsrechte ausgehebelt ?

- Wird die Öffentlichkeit gezielt desinformiert ?

- Weshalb werden diese angewandten Methoden des Kartells der Sektengegner von politischen Kreisen akzeptiert?

- Wem nutzen diese Methoden?

- Warum ist eine offene Diskussion in der Sache nicht möglich?

Die Ist-Situation 2007 bestätigt meine jahrelangen Erfahrungen mit der an eigenen Interessen ausgerichteten Aufklärungsszene.

Berlin ist der beste Beweis: Durch die Expansion von Scientology festigen sich nicht nur die Planstellen für Sektenbeauftragte von Staat und Kirche, sondern neue werden in Aussicht gestellt.

In der Wirtschaft nennt man so einen Zustand Aufschwung!

Außerdem nutzen Vorgänge wie in Berlin dem Marketing der Planstellenbesetzer. Immerhin können sie am Ende des Jahres die „Wichtigkeit“ ihrer Funktion durch Medienauftritte dokumentieren.

Wer fragt da noch, ob es der Klärung in der Sache nutzt? Richtig! Niemand.

Was tatsächlich fehlt, sind Redaktionen, die nicht nur Meldungen abschreiben, sondern Fragen stellen. Es fehlen Redakteure, die Zeit für genaue Hintergrundrecherchen bekommen. Die sich nicht von einer Position blenden lassen und den vermeintlichen Weg der juristischen Sicherheit gehen. Nach dem Motto: Wenn das ein offizieller „Sektenbeauftragter“ sagt, kann ich es ungeprüft schreiben.

Ich habe bereits 2002 erkannt: Aufklärung, die zur Klärung führt, ist weder in der Szene der so genannten Experten erwünscht, noch von der Politik gewollt. Wäre es anders, gäbe es heute eine völlig andere Sachlage!

Populistische Forderungen wie sie im August 2007 gestellt wurden: „eine einheitliche Front gegen Scientology bilden“ oder „Scientology muss verboten werden“ gehören zu den medialen wellenartigen Auswüchsen, die mit diesem Thema verbunden sind.

Die Frage nach der Rechtssicherheit bleibt bestehen. Warum wurde bis heute – nach immerhin über 40 Jahren Scientology in Deutschland – trotz Dutzender Sektenbeauftragten und Beobachtung durch den Verfassungsschutz –keine Rechtssicherheit erreicht?

Was wurde in diesem Thema – außer Verunsicherung - tatsächlich erreicht?

Zahlen wir Planstellen als Alibifunktionen mit unseren Steuergeldern?

Denn wie bitte passen diese neu formulierten populistischen Forderungen zu den Fakten?

Im Jahr 2003 wurde vom damaligen Finanzminister Eichel der Scientology Organisation für den Verkauf der Hubbardkurse, der Hubbardbücher, aller Hubbardmaterialien die Steuerbefreitheit erteilt. Grund: Ein bilaterales Abkommen zwischen den USA und Deutschland.

Ist das nun Realsatire?

Denn genau diese steuerbefreiten Unterlagen sind es, die der Verfassungsschutz und die Sektenbeauftragten als Grundlage für ihre Warnungen und Verbotsforderungen nehmen.

Als ich 1994 juristische und politische Klärung in dem Thema forderte, wurde ich von genau den „Sektenexperten“ massiv angegriffen, die heute - 13 Jahre später -populistisch die Verbotskeule schwingen.

Selbst politisch konservative Kreise warnen offen vor diesem Verbotsschritt. Warum? Weil das Thema bis heute ungeklärt ist und es keine Rechtssicherheit gibt! Und wer ist dafür verantwortlich?

Eine selbstsüchtige Szene die nur ihre Planstellen im Sinn hat, sonst nichts! Selbstüberschätzung bis hin zur Omnipotenz sowie unqualifizierte Antworten auf Fragen über die Beweislage reihen sich aneinander.

Feindbildfestigung führt aber nicht zu einer Klärung!

Die Aussage, dass bestimmte Vorgänge in einer Demokratie nicht möglich sind, muss man in Verbindung mit dem Thema Scientology mit großer Vorsicht äußern: Denn das Kartell der Sektenexperten und deren Tross urteilt sofort – wer nicht mit uns zieht, ist unser Feind!

So befinde ich mich aufgrund meiner berechtigten Fragestellungen über den Umgang mit dem Thema in sehr guter Gesellschaft. Denn immerhin teilen der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der Schauspieler Müller-Stahl, die ehemaligen Bürgermeister Diepgen und Schütz bis hin zu Schauspieler Sky du Mont meine Ansichten was in einem Rechtsstaat die Grenzen der Auseinandersetzung betrifft.

Gegen die Verleumdungen gegen mich, die heute noch gezielt im Internet und subtil über einzelne Personen verbreitet werden, habe ich mich gewehrt, und werde ich mich weiter mit juristischen Schritten wehren. Genau mit derselben Offenheit, mit der ich mich gegen die Angriffe von Scientology wehrte.

Aus der nun entstandenen Distanz sehe ich statt Aufklärung Fanatismus, statt Dialog Verleumdung, erkenne, es hat sich nichts geändert, seit ich mich 2002 von dem Thema verabschiedet habe.

Nun denn, die in den Medien über das Sommerloch losgetretene Welle zum Thema Scientology wird wieder abebben, solange, bis jemand wieder Lust auf Medienrummel bekommt und eine neue Welle in Gang setzt.



Renate Hartwig

August 2007 - PDF (Rückblick)